Normverblendet, Formvollendet - die Sache mit den Körpernormen

Wir kennen es alle: Körpernormen sind so eine Sache.
Sie sind a) überall, b) ständig im Wandel, c) für viele Frauen kaum erreichbar und d) einfach unglaublich hartnäckig.

Egal wo, wir werden ständig mit dem Thema konfrontiert, sei es in den Medien, in sozialen Netzwerken oder in der Werbung, online wie offline. Sie begegnen uns oft ganz selbstverständlich und so beiläufig, dass wir erst im Nachhinein merken, was uns da gerade gezeigt wurde. Gleichzeitig ändern sie sich auch noch ständig. Der ideale Körper von vor zwei Jahren ist nicht derselbe wie der von heute. Je nachdem, wann ihr das hier lest, hat er sich vielleicht schon wieder geändert. Während in den frühen 2010ern der thigh gap das Ideal war, hat sich der Fokus Ende der 2010er auf einen großen Po verlagert. Aktuell erlebt das 2000er-Konzept von heroin chic vor allem auf Social Media - wo auch sonst - ein Comeback. Wie sollen wir denn da überhaupt hinterherkommen?

Außerdem beschreiben Körpernormen einfach eine Utopie, die für viele von uns nicht erreichbar ist, weil es an den notwendigen körperlichen Voraussetzungen fehlt, die sich halt nicht beliebig “wegtrainieren” oder verändern lassen. Klar, mit Zeit und Geld (und ein bisschen Glück) kann man viel erreichen, aber seien wir mal ehrlich: Warum sollten wir das machen für ein Ideal, das in ein paar Jahren wieder anders aussieht? Und dann würde das ganze Spiel ja auch schon wieder von vorne losgehen.

Die Körperrealität sieht also ganz anders aus. Da sehr viele von uns den gesellschaft-lichen Normen von Gewicht, Proportionen und spezifischen Körpermerkmalen eben nicht entsprechen, ist die Realität divers und nicht einheitlich "ideal".

Das Problem liegt also eigentlich gar nicht an unseren Körpern, sondern an eben diesen Normen, an denen sie gemessen werden.
Aber woher kommen diese Normen eigentlich und wer entscheidet darüber? Ganz banal gesagt geht es meist um praktische, wirtschaftliche Interessen. Denn mit dem Versprechen von Schönheit lässt sich so einiges an die Menschen verkaufen.

Diese Schönheitsstandards, die sich aus Geschichte und medialer Repräsentation heraus entwickelt haben, sind also am Ende nur ein Money-Grab. Wir fragen uns doch beispielsweise viel zu oft, warum Hosentaschen bei Frauen so klein sind oder warum es manchmal einfach gar keine gibt. Oder warum es so viele Cremes gibt, damit wir ja keine einzige Falte bekommen.

Schönheitsideale zeichnen ein sehr einheitliches Bild von Körpern. Dabei sind unsere Körper doch alles andere als einheitlich. Klein, groß, weich, muskulös, mit Bauch, mit Kurven, mit Asymmetrien und allem dazwischen. Die Liste ist lang und sie beschreibt keine Ausnahmen, sondern ganz normale Körper.

Abseits von Körpernormen zu stehen ist nichts Abstraktes, sondern macht sich schnell im Alltag bemerkbar. Dabei geht es nicht nur um vermeintlich oberflächliche Themen wie die Suche nach passender Kleidung, denn diese Erfahrungen kennen wir wohl alle: Hosen, die zu kurz oder zu lang sind. Blusen, die an der Brust spannen. Hosenbeine, die zu weit sind, während der Bund einschneidet. Irgendwas passt immer nicht und irgendwann ist man einfach nur noch genervt.

Die Änderung von Kleidungsstücken kostet Zeit, Geld und vor allem Geduld, die man nach dem tausendsten Mal nicht mehr hat, vor allem dann, wenn man dadurch noch klarer merkt, dass man in der Modewelt mal wieder nicht mitbedacht wurde. Diese fehlende Sichtbarkeit und das ständige Daran-Erinnert-Werden sind anstrengend. Man schaut sich um und findet sich in Bildern, Werbung und Social Media kaum wieder und langsam beschleicht einen das Gefühl, nicht dazuzugehören oder nicht repräsentiert zu sein.

Das ist keine Einbildung, sondern eine Erfahrung, die viele kennen. Je nach Situation schwankt diese Erfahrung oft zwischen Unsichtbarkeit und dem Gefühl, besonders aufzufallen. Beides kann ganz schön schwer sein. Zuschreibungen aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes gehören für viele Frauen zum Alltag, ob unterschwellig oder offensichtlich.

Kleine Frauen kennen das Gefühl, mitunter weniger ernst genommen oder herablassend behandelt zu werden. Frauen mit großen Brüsten erleben häufig, dass ihr Ausschnitt mehr im Mittelpunkt steht, als sie selbst, das Kommentieren von Kleidung und auffällige Blicke. Frauen mit breiterem Körperbau oder sehr großen Frauen wird nicht selten die Weiblichkeit abgesprochen. All diese Erfahrungen verbindet, dass der Körper bewertet und kommentiert wird, bevor man überhaupt als Mensch wahrgenommen wird.


Und dann sind da noch diese ungefragten Kommentare, die von offen abwertend bis hin zu vermeintlich gut gemeinten Empfehlungen reichen. Es wird erwartet, dass man dankbar sein soll für Ratschläge, die man eigentlich gar nicht hören will: wie man sich “vorteilhafter” anziehen könnte oder wie man “gesünder” leben könnte. Wenn man anspricht, dass diese Kommentare nicht sonderlich hilfreich und gar übergriffig sind, ist man dann plötzlich undankbar. Und schon wieder geht es direkt um Körper und nicht um Persönlichkeit.

Dass es emotionale Auswirkungen haben kann, wenn man konstant mit so etwas konfrontiert wird, ist ja klar. Man ist frustriert, vielleicht sogar unsicher oder man fängt gar an, sich für etwas zu schämen, das einem von außen eingeredet wurde. Also entwickelt man Strategien, um nicht aufzufallen. Manchmal trägt man verdeckende Kleidung, lässt die hohen Schuhe im Schrank oder hält sich einfach bewusst zurück. Und eigentlich will man das ja gar nicht, aber dieser dauernde Fokus von außen auf den Körper ist nunmal einfach anstrengend.


Vor diesem Hintergrund fühlen sich Forderungen nach ständiger Körperliebe im Sinne von „Body Positivity” manchmal fast surreal an. Seinen Körper zu lieben, sollte keine Voraussetzung sein, um sichtbar zu sein, ernst genommen zu werden oder sich gut kleiden zu dürfen. Mit der Lösung “Liebe dich selbst” landet die Verantwortung schnell wieder bei der einzelnen Frau. Dadurch wird aus einem gesellschaftlichen Ideal plötzlich ein individuelles Mindset-Problem. Eigentlich geht es aber doch darum, warum manche Körper als selbstverständlich gezeigt und gedacht werden und andere eben nicht. Wenn Body Positivity zu überfordernd ist, kann Body Neutrality ein hilfreicher Ansatz sein. Hier geht es erstmal darum, den eigenen Körper zu akzeptieren. Aber auch das reicht nicht aus, solange vielfältige Körper immer noch als Ausnahme behandelt werden.
Was wir also brauchen und wollen, ist Sichtbarkeit, die kein besonderer Bonus ist, sondern eben selbstverständlich. Denn das, was wir immer wieder sehen und hören, wirkt auf uns irgendwann “normal” und das, was weniger gezeigt wird, dann eher als Ausnahme. Dabei sind Körper abseits von Normen keine Ausnahme, sondern einfach Realität. “Normal” war noch nie nur eine einzige Körperform, sondern die Vielfalt, die uns jeden Tag begegnet.


Unser Körper ist kein Projekt, den wir verändern müssen, um wertvoll zu sein. Er ist wertvoll. Punkt. Es geht darum, sich zeigen zu dürfen und Raum einzunehmen. Mode ist dabei genau der Ansatzpunkt, den wir im Les Soeurs Shop verfolgen. Denn wir müssen unseren Körper nicht für Kleidung anpassen. Nein, Kleidung muss unserem Körper passen.


Als Curvy Concept Store stehen wir seit fast zehn Jahren für inklusive, coole Plus Size Mode. Wir verstehen uns als einen Ort, an dem man nicht nur shoppen, sondern auch stöbern, ausprobieren, fühlen und sich austauschen kann. Aus unseren eigenen Erfahrungen und der langjährigen Modeexpertise unserer Gründerinnen heraus ist früh unsere Eigenmarke Loved by Les Soeurs Shop entstanden. Loved by steht für nachhaltige, zeitlose und moderne Plus Size Fashion, die mitdenkt. Wir designen unsere Kleidung so, dass man sich beim Tragen keine Gedanken machen muss und sich den ganzen Tag wohl, cool und sicher fühlt. Bei Loved by geht es uns um die Selbstverständlichkeit, dass Kleidung für die Trägerin gemacht wird und nicht andersherum. Unsere Blusen sind beispielsweise mit einem zusätzlichen Knopf ausgestattet, um das Aufsperren zu vermeiden. Unsere Hosenstyles gibt es in unterschiedlichen Längen und mit verschiedenen Beinweiten. Da unsere Marke direkt bei uns im Store entworfen wird, haben wir unmittelbaren Einfluss auf Schnitte und Passformen. So können wir kontinuierlich optimieren, Neues entwickeln und direkt auf euer Feedback und eure Bedürfnisse reagieren. Entstanden ist eine Marke, die unsere Kund:innen - und wir selbst - lieben.


Eben Loved by Les Soeurs Shop (and by you)

Text: Alicia Münch